Die Paläste von Carrara

Es hat seine Zeit gedauert, bis ich die Mitglieder meiner Spielgruppen überzeugen konnte, mit mir »Die Paläste von Carrara« zu spielen, da es ja oft so ist: Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht! Aber »Die Paläste von Carrara« ist ein echt kurzweiliges Spiel, das dennoch eine ordentliche Spieltiefe besitzt und mit überschaubaren Regeln auskommt. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht und meine Mitspieler waren auch begeistert.

Spielziel und -thema

Als Oberhaupt einer Fürstenfamilie im alten Italien habt Ihr vom König den Auftrag erhalten, in den Städten imposante Gebäude zu errichten und diese mit außergewöhnlichen Objekten aufzuwerten. Hin und wieder folgt der König der Einladung der jeweiligen Familie, um den Fortschritt ihrer — also Euer — Anstrengungen in Augenschein zu nehmen — und die Fürsten dafür mit Siegpunkten oder Geld zu belohnen, je nachdem in welcher Stadt die Anstrengungen unternommen wurden. Die Familie mit den meisten Siegpunkten gewinnt schließlich das Spiel.

Einführung in die Spielregeln

Spielplan

Jeder Spieler nennt 7 Sielfiguren in seiner Farbe und ein Wertungstableau sein Eigen. Auf diesem Tableau sind die 6 Städte abgebildet sowie Wertungsplätze für die 6 Gebäudearten.

Der Spielplan wird von einer Drehscheibe dominiert, die sich rechts unten befindet, in 6 Sektoren unterteilt ist und auf der die Bausteine nach bestimmten Regeln platziert werden können und zum Kauf bereit liegen. Am oberen Rand sind sechs Städte abgebildet: Livorno (weiß), Pisa (gelb), Lucca (rot), Viareggio (grün), Massa (blau) und Lérici (schwarz). Links neben der Drehscheibe befinden sich 9 Ablageplätze für Gebäude, die dort offen ausliegen und immer vom Nachziehstapel nachgelegt werden, wenn eines gebaut und daher vom jeweiligen Spieler weggenommen wurde. Weiterhin befindet sich am linken Spielfeldrand das Objektfeld, auf dem 6 verschiedene Objekt zu Spielbeginn platziert werden und zum Kauf zur Verfügung stehen. Am Rand umläuft den Spielplan eine Siegpunktleiste, auf der 50 Punkte abgetragen werden können.

Spielvorbereitung

Der Spielplan und die Kartenleiste werden offen ausgelegt. Die Kartenleiste gibt die Bedingungen an, wann ein Spieler das Spielende ansagen kann. Jeder Spieler erhält ein Wertungstableau sowie Sichtschutz und die 7 Wertungssteine in seiner Farbe. Überdies legt er Münzen im Wert von 20 hinter seinen Sichtschutz und stellt einen seiner Wertungssteine auf das Feld 50 / 0 der Wertungsleiste. Alle Bausteine werden in den schwarzen Sack gegeben, nachdem einer von jeder Farbe (weiß, gelb, rot, grün, blau und schwarz) genommen und auf den Sektor der Drehscheibe gelegt wurde, der sich unterhalb der I befindet. Außen um die Drehscheibe sind die Kosten für die einzelnen Bausteine im dazugehörenden Sektor angegeben. Die 30 Gebäudeplättchen werden gemischt und gestapelt. Die ersten 9 Gebäude werden aufgedeckt und auf dem Spielplan platziert. Von den Objekten (Tor, Kelch, Fahne, Buch, Krone und Wappen) wird jeweils eins auf dem Objektfeld bereit gelegt. Diese können gekauft werden, solange der Vorrat reicht. Die restlichen 5 Objekte jeder Sorte werden neben dem Spielplan bereit gelegt und werden von den Spielern bei der Wertung der zugehörigen Gebäude erworben. Der Spieler der zuletzt in Italien war, ist der Startspieler

Spielablauf

Abwechselnd im Uhrzeigersinn muss jeder Spieler eine der 3 folgenden Aktionen durchführen:

  • Bausteine kaufen

    1. Zunächst muss die Drehscheibe um genau einen Sektor gedreht werden. Dadurch verbilligen sich die Bausteine in 5 Sektoren, während ein Sektor wieder auf Position I gelangt, was die Bausteine in diesem Sektor (massiv) verteuert. Dies ist so, da außen um die Drehscheibe die Preise für die Bausteine der jeweiligen Farbe abgedruckt sind. In Sektor I kosten die Bausteine 6, 5, 4, 3, 2 bzw. 1 Münze, sofern sie von weißer, gelber, roter, grüner, blauer bzw. schwarzer Farbe sind. In jedem folgenden Sektor verringern sich die Kosten für jeden Baustein um 1, sodass bspw. im Sektor II die schwarzen Bausteine kostenfrei erworben werden können.
    2. Nun zieht der Spieler blind aus dem Säckchen Steine nach und legt diese auf Sektor I. Es müssen so viele Steine sein, dass insgesamt 11 Bausteine auf der gesamten Drehscheibe liegen werden.
    3. Nun muss der Spieler beliebig viele Bausteine – aber mindestens einen – aus genau einem Sektor erwerben. Wichtig dabei ist, dass Bausteine, die kostenlos genommen werden, auch als gekauft zählen! Die gekauften Bausteine werden hinter dem Sichtschutz aufbewahrt.

      Es ist denkbar, dass Ihr diese Aktion wählt und nicht in der Lage seid Bausteine zu kaufen, da Ihr zu wenig Geld habt und es in keinem Sektor kostenlose Bausteine gibt. In diesem Fall müsst Ihr durch Heben des Sichtschutzes beweisen, dass Ihr zu wenig Geld habt und erhaltet 2 Münzen aus dem Vorrat.

      Es gibt noch andere Sonderfälle, die auftreten können, beim Kauf von Bausteinen. Allerdings ist das nach meiner Einschätzung fürs Gewinnen eines Eindrucks der Spielmechanik nicht so erheblich, sodass ich auf eine Erläuterung hier verzichte.

  • Gebäude bauen

    Bei dieser Aktion nehmt Ihr ein Gebäude aus der Auslage auf dem Spielplan (niemals vom Nachziehstapel) und baut es in einer Eurer Städte. Im Grunde könnt Ihr jedes Gebäude in jeder Stadt errichten – allerdings schränkt Eure Entscheidung für eine bestimmte Stadt das zulässige Baumaterial ein. Der Marmor hat unterschiedliche Güte, je nach Farbe der Bausteine: Weiß ist der Edelste und in absteigender Reihenfolge kommen anschließend gelb, rot, grün, blau und schwarz. Die Städte sind auf Euren Spielertableaus auch farbig dargestellt: Livorno (weiß), Pisa (gelb), Lucca (rot), Viareggio (grün), Massa (blau) und Lérici (schwarz). In jeder Stadt dürft Ihr nur Marmor (Bausteine) der entsprechenden Güte oder einer höheren Güte verbauen: Also ist in Livorno der Bau von Gebäuden nur mit weißem Marmor zulässig, in Pisa mit weißem und gelbem Marmor und in Lérici dürft Ihr schließlich alle Bausteine verwenden.

    Insgesamt gibt es 6 verschiedene Gebäudearten und jedes fünfmal mit den Baukosten 1 bis 5. 4 der Gebäude sind Stadtgebäude (Biblioteca, Cathedrale, Palazzo und Porta) und 2 Landgebäude (Castello und Villa). Jeder Gebäudeart ist ein anderes Objekt zugeordnet, dass Ihr beim Werten erhaltet – aber dazu später mehr.

    Nachdem Ihr das Gebäude aus der Auslage genommen und mit den Bausteinen der zulässigen Farbe(n) bezahlt habt, legt Ihr es oberhalb Euers Spielertableaus zur entsprechenden Stadt ab. Nun ist noch ein neues Gebäude vom verdeckten Stapel aufzudecken und auf den freien Platz in der Auslage zu legen.

  • Werten

    Über die Aktion Werten generiert Ihr Eure Siegpunkte und verschafft Euch neue Einnahmen an Münzen. Weiterhin erhaltet Ihr so Objekte (jedes ist am Spielende 3 Siegpunkte Wert).

    1. Gebäudeart werten

      Ihr wählt eine Gebäudeart aus, von der Ihr bereits mindestens 1 Gebäude errichtet habt. Diese Gebäudeart durfte noch nicht im Spiel von Euch gewertet worden sein. Je nach Stadt, in der das Gebäude steht, erhaltet Ihr Siegpunkte bzw. Münzen. Nachfolgende Tabelle gibt an, welche Belohnung Ihr für ein Gebäude in der jeweiligen Stadt erhaltet. Und zwar bekommt Ihr die Belohnung so oft, wie Ihr Bausteine in den Bau des Gebäudes investiert habt (also sind die Baukosten der Multiplikator).

      Stadt Livorno Pisa Lucca Viareggio Massa Lérici
      Belohnung 3 SP 3 M 2 SP 2 M 1 SP 1 M

      Zum Beispiel erhaltet Ihr für 2 Bliblioteca, wenn Ihr sie wertet, 6 Münzen und 9 Siegpunktefür, sofern eine in Livorno mit Baukosten von 2 und eine in Pisa mit Baukosten von 3 steht. Weiterhin bekommt Ihr 2 Objekte vom Typ Buch, sind nicht mehr genügend vorrätig, müsst Ihr Euch mit denen begnügen, die noch vorhanden sind!

      Nachdem eine Gebäudeart gewertet wurde, markiert Ihr dies mit dem Platzieren eines Wertungsstein auf Eurem Spielertableau auf dem entsprechenden Feld.

    2. Stadt werten

      Ihr könnt eine Stadt genau dann werten, wenn diese Stadt noch nicht gewertet wurde — weder von Euch noch von Euren Mitspielern — und ihr eine Mindestanzahl von Gebäuden, abhängig von der zu wertenden Stadt, errichtet habt: In Livorno, Pisa und Lucca müssen mindestens 2 Gebäude in Viareggio, Massa und Lérici mindestens 3 Gebäude gebaut worden sein.

      Ihr erhaltet je nach Stadt das x-fache der Belohnung, wobei x die Summe aus den Baukosten der Gebäude in der zu wertenden Stadt ist. (Im Grunde funktioniert es also analog wie das Werten von Gebäuden, nur dass das Kriterium nun die Stadt ist, in der das Gebäude steht, und nicht der Gebäudetyp).

      Weiterhin erhaltet Ihr für jedes auf diese Weise gewertete Gebäude das zugehörige Objekt, sofern es vorrätig ist (auch analog zur Gebäudewertung).

      Einer Euer Wertungssteine ist nun auf der Stadt auf dem Spielplan zu platzieren. Diese kann für den Rest des Spiels von keinem Spieler mehr gewertet werden.

Nachdem Ihr Eure Aktion ausgeführt habt, dürft Ihr noch für 10 Münzen eines der Objekte aus der Auslage kaufen. Diese werden aber nicht nachgefüllt, d.h. wer zuerst kommt, der mahlt zuerst.

Spielende

Es gibt 2 Möglichkeiten, das Spiel zum Ende zu bringen:

  1. Das letzte Gebäude wurde vom Spielplan genommen und gebaut.
  2. Ihr könnt das Spielende ansagen, wenn folgende 3 Bedingungen (im Erweiterungsspiel 4) mindestens erfüllt werden:
    1. Ihr habt 4 Wertungen durchgeführt.
    2. Je nach Spieleranzahl besitzt Ihr eine bestimmte Anzahl an Objekten — welcher Art sie sind, ist egal.
    3. Ihr müsst eine gewisse Anzahl an Bausteinen verbaut haben — wiederum abhängig von der Spieleranzahl.

Wichtigt ist, dass das Spiel nicht sofort endet, wenn ein Spieler das Spielende einläutet: Bis zum rechten Sitznachbarn des Startspielers hat jeder noch einen Spielzug. Sagt also der Startspieler das Spielende an, haben alle anderen noch einen Zug. Sagt der rechte Sitznachbar vom Startspieler das Spielende an, endet das Spiel sofort.

Als das Spielende ansagender Spieler erhaltet Ihr sofort 5 Siegpunkte – natürlich nur, wenn das Spiel auch tatsächlich beendet werden kann!

Das Spielende darf nach Ausführen des Zuges angesagt werden, sofern alle notwendigen Bedingungen erfüllt sind. Sollte Ihr das Spielende angesagt haben und eine Überprüfung der Bedingungen ergeben, dass dies gar nicht zulässig war, dann wird dennoch normal weiter gespielt, bis tatsächlich jemand das Spiel beenden kann oder das letzte Gebäude errichtet wird.

Schlusswertung

Nun erhaltet Ihr weitere Siegpunkte:

  • Jedes gesammelte Objekt bringt 3 Siegpunkte.
  • Die Summe der Baukosten Euer Gebäude bringt 1:1 auch Siegpunkte ein.
  • Je 5 Münzen sind 1 Siegpunkt Wert.

Haben zwei Spieler gleich viele Siegpunkte, entscheidet die Anzahl der Bausteine über den Gewinner. Die Güte des vorrätigen Marmors spielt keine Rolle hierfür. Herrscht zwischen den betroffenen Spielern auch hierbei Gleichstand, so teilen sich die betreffenden Spieler diesen Platz.

Kritik

Mir gefällt »Die Paläste von Carrara« sehr gut, und das aus den folgenden Gründen:

  1. Die Spielzeit ist überschaubar: Es wurden 60 min. angegeben — 90 min. sind aber denke ich realistischer.
  2. Es hat Anspruch, überfordert aber nicht mit unzähligen Regeln — zumal die Anleitung klar strukturiert ist, sehr gut die Regeln mit Beispielen veranschaulicht und wirklich keine Fragen offen lässt.
  3. Der Mechanismus des Kaufs von Bauklötzen über die Bauscheibe ist zwar nicht absolut neu, aber gestaltet das Spiel sehr interessant: Es zwingt Euch beständig schwierige Entscheidungen auf, wie mit dem Kauf von Bauklötzen zu verfahren ist. Denn dadurch, dass die Drehscheibe bei jedem Kauf immer um einen Sektor gedreht wird, werden auch die Bauklötze für die Mitspieler günstiger. Vor allem dürft Ihr nur aus einem Segment kaufen — die nächste knifflige Entscheidung: Welche Bausteine wollt Ihr kaufen, welche überlasst Ihr den Mitspielern.
  4. Auch das Werten der Städte ist eine spannende Angelegenheit: Jede Stadt darf nur ein Mal gewertet werden! Also welcher gilt es den Vorzug zu geben? Ebenfalls müsst Ihr abwägen, ob Ihr die günstigen Gebäude baut und somit schnell die Mindestanzahl an erforderlichen Gebäuden erreicht oder lieber die teureren, die Euch dann bei der Gebäudewertung auf jeden Fall mehr Geld bzw. Siegpunkte bringen. Es wurde also — für mein Empfinden — gut dafür gesorgt, dass es u.U. einen harten Kampf um die zu wertenden Städte gibt, aber Ihr nicht abgehängt seid, wenn Ihr die für Euch wichtigen Städte nicht mehr werten könnt.
  5. Es ist für 2 – 4 Spieler wirklich gut spielbar: Das liegt daran, dass die Bedingungen zum Ansagen des Spielendes von der Anzahl der Spieler abhängig sind und es nicht langweilig wird.

Das einzige, das mir nicht gefällt, ist die Auswahl des Startspielers: Dieser ist nach Regel derjenige, der zuletzt in Italien war. Wenn Ihr also oft in derselben Besetzung spielt, wird das vielleicht etwas ätzend. Allerdings ist es ja ein Leichtes, den Startspieler auszulosen. :)

Bemerkenswert ist, dass Euch auch noch eine Erweiterung mitgeliefert wird, die die Spieltiefe und den Wiederspielwert erhöht. Mit dieser habe ich mich noch nicht ausführlich auseinandergesetzt, aber sobald dies geschehen ist, werde ich natürlich auch darüber berichten.

An dieser Stelle einen herzlichen Dank an den Verlag Hans im Glück, der mir ein Exemplar zur Rezension überlassen hat.